
Rund um die Regnitz – Fränkische Schweiz
In der Fränkischen Schweiz fuhren wir Touren in alle Himmelsrichtungen. Auf dieser geht es rund um die Regnitz.
Franken
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

In der Fränkischen Schweiz fuhren wir Touren in alle Himmelsrichtungen. Auf dieser geht es rund um die Regnitz.

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Wo der Main in engen Schleifen durch das Maindreieck und die Mainschleife bei Volkach mäandert, liegt die nächste Brücke oft kilometerweit entfernt. Statt des Umwegs bringt eine der alten Gierseilfähren das Motorrad direkt ans andere Ufer — und macht die Überfahrt selbst zum Teil der Tour. Bekanntestes Beispiel in Reichweite der Weinlagen ist die Fähre zwischen Nordheim und Escherndorf an der Mainschleife.

Das Prinzip ist so alt wie sehenswert: Die Fähre hängt an einem langen Seil, das flussaufwärts verankert ist. Der Fährmann stellt den Rumpf schräg zur Strömung — der Druck des fließenden Wassers schiebt das Boot wie ein Pendel über den Fluss. Kein Motor, kein Kraftstoff, nur die Kraft des Flusses. Für den Fahrer heißt das: aufrollen, Motor aus, ein paar ruhige Minuten über dem Wasser, drüben wieder anlassen.
Ein paar Dinge gehören zur Planung:
Der Nutzwert liegt weniger im Zeitgewinn als in der Streckenführung: Mit einer Überfahrt lassen sich beide Ufer einer Mainschleife anfahren, ohne zur nächsten Brücke zurückzumüssen — ein ruhiger Kontrapunkt zwischen zwei Kurvenetappen.
Die engen Talstraßen der Fränkischen Schweiz sind das, was sie reizvoll macht — und zugleich der Grund, warum an schönen Wochenenden kein Vorbeikommen ist. Auf den kurvigen, oft nur schmalen Talachsen entlang von Wiesent und Püttlach fehlt über weite Strecken jede sichere Überholmöglichkeit. Hängt man einmal hinter einem langsamen Fahrzeug, erbt man dessen Tempo bis zur nächsten Ortschaft.
Wer den Fluss der Strecke sucht, verlegt die schönen Täler auf frühen Vormittag, Wochentage oder die Randsaison. An vollen Wochenenden bringt es mehr, die Talkurven früh zu fahren und später auf die leereren Höhenzüge auszuweichen, statt sich durch die Blechlawine zu schieben. In den Engstellen der Ausflugsorte — Pottenstein, Tüchersfeld, Gößweinstein — kommen parkende Autos und Fußgänger dazu: Tempo raus, mit Leuten rechnen, die zwischen den Fahrzeugen auf die Straße treten.
Kaum eine Region hat so viele kleine Dorfbrauereien mit eigenem Gasthof wie die Fränkische Schweiz. Viele haben ihren Bierkeller — einen in den Fels oder Hang gegrabenen Schankgarten, in dem das Bier früher kühl lagerte und der im Sommer zur „Kellersaison" öffnet. Für Motorradfahrer sind diese Höfe klassische Ausflugsziele, und oft ist schon die Anfahrt lohnend: Die Brauereien sitzen in winzigen Orten, die nur über schmale Sträßchen erreichbar sind — schön zu fahren, aber langsam und mit knappem Parkraum.
Genau hier liegt die Fahrer-Frage: Ziel erreicht, Bier steht auf dem Tisch, das Motorrad wartet. Die nüchterne Lösung ist keine Frage der Moral, sondern des Materials — ein Motorrad bestraft nachlassende Balance und Reaktion weit härter als ein Auto.
Rund 120 bis 140 Kilometer, ein guter halber bis ganzer Tag. Von Pottenstein auf der B470 über Behringersmühle nach Muggendorf, dann auf entlegeneren Sträßchen über Breitenlesau und Wüstenstein Richtung Gößweinstein und zurück. Highlight ist die enge Talführung an Püttlach und Wiesent mit den markanten Felstürmen. Einkehr in einem der vielen Brauereigasthöfe der Region, etwa in Gößweinstein mit Blick auf die Basilika. Wer mag, baut die Teufelshöhle als kühlen Stopp ein.
Rund 150 bis 180 Kilometer, ein ganzer Tag. Der Frankenwald im Norden bietet die „schnelle" Frankenwald-Hochstraße mit gutem Asphalt und weiten Kurven im Wechsel mit engen, kurvigen Landstraßen durch dichte Wälder und geheimnisvolle Täler. Die Verkehrsdichte ist gering, die Natur rau und ursprünglich. Highlight ist der Wechsel zwischen den weiten Hochplateaus und den bewaldeten Schluchten. Einkehr in einem der Landgasthöfe; in den Höhenlagen aufs Wetter achten.
Rund 140 bis 160 Kilometer, ein ganzer Tag. Die Steigerwald-Höhenstraße zieht über rund 70 Kilometer in weiten Bögen durch Wälder und Hügel, steigt und fällt wie eine Achterbahn und ist sehr verkehrsarm. Highlight ist das ehemalige Zisterzienserkloster Ebrach mit frühgotischer Kirche und Barockbauten. Weitere Stationen sind Schlüsselfeld und Scheinfeld mit Schloss Schwarzenberg. Einkehr in einer der ruhigen Ortschaften am Weg.
Rund 130 bis 150 Kilometer, ein ganzer Tag. Die Haßberge zwischen Main und Grabfeld sind ruhig, dünn befahren und burgenreich – nicht umsonst „Deutscher Burgenwinkel". Über Königsberg in Bayern, die Burgruine Altenstein und das Mainstädtchen Zeil am Main führt eine entspannte Runde durch sanfte Hügel. Highlight ist das Burgeninformationszentrum auf der Burgruine Altenstein. Einkehr im historischen Ortskern von Königsberg oder Zeil.
Rund 110 bis 130 Kilometer, ein halber bis ganzer Tag. Von Würzburg mit Residenz und Festung Marienberg hinaus an die Volkacher Mainschleife. Über Volkach, Nordheim am Main und Sommerach rollt man durch die Weinberge, hinauf zur Vogelsburg bei Escherndorf mit dem berühmten Mainschleifen-Blick. Highlight ist genau dieser Ausblick rund 100 Meter über dem Fluss. Einkehr in einer Weinstube – aber alkoholfrei, das Motorrad fährt mit.
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