Franken ist kein einzelnes Revier, sondern ein Dutzend eigener Landschaften auf engem Raum: die verkarstete Fränkische Schweiz mit Burgen, Höhlen und Brauereien, die stillen Höhenzüge von Steigerwald und Haßbergen, der raue Frankenwald an der Thüringer Grenze, das hochgelegene Fichtelgebirge im Osten und die milden Mainschleifen des Weinlands. Dazu drei Kulturstädte von Weltrang und eine Brauereidichte, wie sie kein anderer Landstrich der Welt erreicht. Wer hier fährt, wechselt an einem Tag vom engen Karst-Kurvengeschlängel zur weiten Höhenstraße. Was die einzelnen Ecken ausmacht und wo die lohnenden Strecken liegen, steht hier.
Fränkische Schweiz – Karst, Burgen und das kurvenreiche Wiesenttal

Das fahrerische Herz liegt zwischen Bamberg, Bayreuth und Forchheim: ein zerklüftetes Jura-Karstland aus Dolomitfelsen, Höhlen und Burgen. Hauptschlagader ist das Wiesenttal, durch das die B470 von Ebermannstadt über Behringersmühle führt — eng, schattig, dicht an Fels und Fluss. Von dort zweigen die lohnenden Nebenstrecken ab: das Ailsbachtal mit der Burg Rabenstein und der Sophienhöhle, die Steige hinauf nach Pottenstein mit Felsenburg und Teufelshöhle, der Wallfahrtsort Gößweinstein mit Balthasar Neumanns Basilika über dem Talkessel. Als Aussichtsziel dient das Walberla, ein freistehender Zeugenberg am westlichen Rand der Region. Und die Brauereien: in dieser Dichte gibt es sie nirgends sonst — Oberfranken zählt die meisten Brauereien pro Kopf weltweit, das Dorf Aufseß hält dafür einen Guinness-Eintrag. Für Fahrer heißt das eine klare Regel: Auf den engen, im Fels oft feuchten Sträßchen wird nüchtern gefahren, verkostet wird erst am Etappenende oder die Flasche wandert ins Gepäck.
Steigerwald und Haßberge – die stillen Höhenzüge

Westlich und nördlich der Fränkischen Schweiz liegen die ruhigeren Reviere. Der Steigerwald mit weiten Buchenwäldern und dem Baumwipfelpfad bei Ebrach, an seinem Südrand die Weinorte Iphofen und Castell; die Haßberge als „Land der Burgen und Schlösser" mit Dutzenden Ruinen auf den Höhen. Beides sind wenig befahrene Mittelgebirge mit gemächlichen Kurven und weiten Ausblicken über Maintal und Weinlagen. Wer der Fränkischen Schweiz am vollen Wochenende entkommen will, findet hier die leere Alternative.
Frankenwald – der raue Norden an der Thüringer Grenze

Ganz im Norden steigt der Frankenwald auf: höher, waldreicher und dünner besiedelt als der Rest Frankens. Er geht übergangslos ins Thüringische Schiefergebirge über und grenzt an den Thüringer Wald — Grenzland, das jahrzehntelang von der innerdeutschen Grenze durchschnitten war. Über Kronach thront die Festung Rosenberg, eine der größten vollständig erhaltenen Festungsanlagen Deutschlands. Rundherum ziehen sich kurvige Wald- und Höhenstraßen ohne nennenswerten Verkehr — die Ecke für Fahrer, die es einsam mögen.
Fichtelgebirge – Ochsenkopf und die Höhenstraßen im Osten

Östlich des Frankenwaldes schließt das hufeisenförmige Fichtelgebirge an, das höchste Mittelgebirge der Region. Seine beiden Gipfel überragen die Wälder deutlich: der Schneeberg als höchster und der Ochsenkopf mit Seilbahn, Sendeturm und Skibetrieb. Für Fahrer ist es Kurvenrevier mit Höhenluft — lange, übersichtliche Bögen zwischen Bischofsgrün, Warmensteinach und Wunsiedel, dazu das Luisenburg-Felsenlabyrinth als Zwischenstopp. Weil die Region hoch liegt, bleibt es hier länger kühl und nass; in der frühen und späten Saison ist auf den Höhen mit Restfeuchte und Laub zu rechnen.
Coburger Land – Veste und sanfte Hügel im Nordwesten

Nordöstlich der Haßberge liegt das Coburger Land, bis 1920 ein eigenes Herzogtum und erst per Volksentscheid zu Bayern gekommen. Über der Stadt Coburg thront die Veste Coburg, „Fränkische Krone" genannt und eine der größten Burganlagen Deutschlands — hier übersetzte Martin Luther 1530 an der Bibel. Das Umland fährt sich sanfter als die Karstreviere: welliges Hügelland zwischen Itz- und Rodachtal, viele kleine Nebenstraßen, entspanntes Reisetempo.
Altmühltal und Fränkisches Seenland – der weiche Süden

Im Süden wird Franken flacher und breiter. Das Altmühltal zwischen Eichstätt und Solnhofen ist ein Naturpark aus Wacholderhängen und weißen Jurafelsen — im Solnhofener Plattenkalk fand man den Urvogel Archaeopteryx, und bei Weißenburg zieht der römische Limes durch. Nordwestlich davon liegt das Fränkische Seenland um Brombachsee und Altmühlsee, künstlich angelegte Seen, die Wasser ins trockene Mittelfranken speichern. Beide Reviere bieten fließende Tal- und Uferstrecken ohne Karst-Hektik — gute Kilometer für lange Reisetage.
Bamberg, Würzburg, Nürnberg – die Kulturstopps

Drei Städte lohnen den Abstieg vom Motorrad. Bamberg mit seiner UNESCO-Welterbe-Altstadt auf sieben Hügeln an der Regnitz, dazu das rauchige Rauchbier als lokale Spezialität. Würzburg mit der ebenfalls zum Welterbe zählenden Residenz und der Festung Marienberg über dem Main. Nürnberg mit Kaiserburg und Altstadt. Alle drei liegen so verteilt, dass sie sich fast zwangsläufig in eine mehrtägige Runde einfügen — Motorrad abstellen, zu Fuß weiter.
Fränkisches Weinland – die milde Seite am Main

Rund um Würzburg zieht sich das Fränkische Weinland am Main entlang, mit dem bauchigen Bocksbeutel und Steillagen über dem Fluss. Die Mainschleife bei Volkach und Escherndorf — dort liegt die bekannte Lage Escherndorfer Lump — gibt milde, offene Strecken ab, der ruhige Gegenpol zur felsigen Fränkischen Schweiz. Für die Weinprobe gilt wie beim Bier: erst wenn das Motorrad steht.