Naturstopps zwischen Wiesenttal und Volkacher Mainschleife
Franken ist landschaftlich erstaunlich vielfältig, und die schönsten Pausen liegen oft direkt an der Strecke. In der Fränkischen Schweiz prägen bizarre Felstürme aus Dolomit das Bild – sie ragen an den Hängen des Wiesenttals auf, sind ein Magnet für Kletterer und ein dankbares Fotomotiv. Wer an einem der zahlreichen Parkstreifen entlang der B470 hält, blickt auf eine Kulisse, die der Region ihren Beinamen eingebracht hat. Die Wiesent selbst führt klares, kühles Wasser und hält das Tal an heißen Tagen spürbar frischer als die Hochflächen darüber.

Das Ailsbachtal zwischen Waischenfeld und Doos gehört zu den stilleren Ecken: Hoch über der Rabenecker Mühle erheben sich die Mauern der Burg Rabeneck auf zerklüftetem Dolomit. Der Promenadenweg durchs Tal ist einer der ältesten Wanderwege der Region, gesäumt von Felsformationen und Höhlen mit immer neuen Blicken auf die Burg Rabenstein. Wer das Motorrad kurz stehen lässt, kann hier in wenigen Minuten ein Stück unberührter Karstlandschaft erlaufen.
Im Frankenwald wechseln sich dichte Hochplateaus mit waldreichen Tälern ab – ruhige Natur mit weiten Ausblicken über die bewaldeten Höhen. Das Tempo fällt dort von selbst, weil sich hinter jeder Kuppe ein neuer Blick öffnet. Im Westen führen die Main-Täler durch das fränkische Weinland: An der Volkacher Mainschleife windet sich der Fluss durch ein weites Tal voller Weinberge. Von der Vogelsburg bei Escherndorf, rund 100 Meter über dem Fluss, liegen einem die Weinorte Volkach, Nordheim und Escherndorf zu Füßen; deren Lagen zählen zu den bekanntesten Frankens. Von der Aussichtsplattform terroir f bei Volkach ist die Flussschleife in ihrer ganzen Länge zu sehen.
Pausenplätze gibt es reichlich – an den Aussichtspunkten, an Brauereigasthöfen und an den Parkstreifen entlang der Talstrecken. Wer eine längere Rast einlegt, sollte die Maschine in den Schatten stellen, denn die Sommernachmittage in den tiefer gelegenen Weinlagen am Main gehören zu den heißesten der Region.
Steigerwald, Haßberge und Frankenhöhe: die leisen Reviere
Westlich der Alb beginnt das Keuper-Stufenland, und mit ihm ein völlig anderer Streckentyp. Statt Felsschluchten gibt es hier bewaldete Schichtstufen mit Steilabfall nach Westen und langem, flachem Auslauf nach Osten. Der Steigerwald ist bis heute dünn erschlossen: viel Buchenwald, wenige Durchgangsstraßen, am Zabelstein und über Handthal Auffahrten mit ordentlich Höhenunterschied. Bei Ebrach führt ein Baumwipfelpfad in den Kronenraum der alten Buchen — einer der wenigen Punkte, an denen dieser Wald von oben zu sehen ist. Am Südrand reihen sich mit Iphofen und Prichsenstadt zwei komplett ummauerte Kleinstädte, deren Tore man langsam durchfährt, weil das Kopfsteinpflaster keine Wahl lässt.
Die Haßberge nördlich des Mains sind das stillste Stück Frankens. Große Waldflächen, wenige Orte, dazwischen Fachwerkdörfer wie Rügheim und in Richtung Coburger Land die vollständig erhaltene Mauerstadt Seßlach. Wer Verkehr sucht, ist hier falsch; wer gleichmäßiges Rollen über Kuppen mag, richtig.
Im Südwesten bildet die Frankenhöhe die Grenze zum Taubertal. Ihre Traufkante ist auf der Karte als scharfe Linie erkennbar und in der Praxis als kurze, kompakte Kletterpartie mit anschließender Aussicht über das Vorland. Über den Höhenzug verläuft die europäische Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau — links der Straße fließt das Wasser zur Nordsee, rechts zum Schwarzen Meer. Am Fuß liegen die Tauberorte, oben Burgorte wie Colmberg, im Süden die Mauerstädte Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl.
Frankenwald: Schieferland am Grünen Band
Nördlich des Obermains wechselt der Untergrund komplett. Der Frankenwald steht auf Schiefer, was man an den Dächern und Fassaden sieht: ganze Dörfer sind mit dunklen Schieferplatten verkleidet. In Ludwigsstadt erinnert ein Museum an den Schieferbergbau, in Wallenfels an die Flößerei, mit der das Holz früher über die Rodach abtransportiert wurde. Die Täler sind hier tief eingekerbt, aber nicht felsig — das ergibt lange, gleichmäßige Abfahrten statt abrupter Kehren.
Das markanteste Landschaftsstück ist das Höllental, wo sich die Selbitz zwischen Bad Steben und Blankenstein eine enge Schlucht in den Schiefer geschnitten hat, überragt von der Burgruine Lichtenberg. Der gesamte Nordostrand des Frankenwalds lag bis 1989 an der innerdeutschen Grenze; der Streifen ist heute als Grünes Band Biotopverbund und stellenweise noch als Schneise im Wald erkennbar. In Mödlareuth verlief die Grenze mitten durchs Dorf — die Mauer steht dort in Teilen bis heute, das Freigelände ist ein Museum. Für eine Tagesetappe ist das ein Stopp, der ohne Erklärung auskommt.
Am Südrand, dort wo der Main die Alb streift, steht die dichteste Häufung von Bauwerken der Region: die Veste Coburg über der Stadt, die Festung Rosenberg über Kronach, die Plassenburg über Kulmbach mit ihrer Zinnfigurensammlung und, einander gegenüber über dem Maintal, Kloster Banz und die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Der Staffelberg dazwischen ist der Aussichtspunkt, von dem aus sich die Anordnung erschließt.